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Heimlicht - Modernes Musiktheater für die Johannstadt

Im November 2012 verwandelte ein Team Dresdner Künstler das Hochhaus in der Pfeifferhannsstraße 19 in eine Bühne, auf der es viel zu entdecken gab: Barocke Damen, die sich beim Kaffee über die Vorteile einer Neubauwohnung austauschten, Tänzer in der Duschkabine, ein Streichquartett im Badezimmer, menschliche Bewegungsmelder, private Einblicke durch das Schlüsselloch, alltägliche und skurrile Rituale verbanden sich zu einem Kaleidoskop aus Geschichten, Aktionen, Bildern und Klängen, die sich auf dem schmalen Grad zwischen Realität und Inszenierung bewegten.


In zwei vierstündigen Aufführungen konnten sich die rund 500 Besucher ihr eigenes Stück „erlaufen“: Die einzelnen Szenen, die in Kellerräumen, Fluren, Fahrstühlen, dem Treppenhaus und in ausgewählten Privatwohnungen stattfanden, standen in keiner festgelegten Reihenfolge und wiederholten sich während der gesamten Aufführungszeit. Jeder Besucher war selbst gefordert, die Aktionen in einen Ablauf zu bringen.
















Entstanden ist das moderne Stationentheater in einer mehrmonatigen Workshop-Phase, in der sich rund 60 Laien aus der Dresdner Johannstadt unter Anleitung der Regisseurin Eva Gödan, des Komponisten Johannes Voit und der Choreografin Marita Matzk mit der Frage beschäftigten, welche Bedeutung private Rückzugsräume heute für Menschen haben und ob es diese im Zeitalter von Internet 2.0 überhaupt noch gibt. Die Ideen der Teilnehmer flossen in das Ergebnis ebenso ein wie die Lebensgeschichten der Bewohner. Die Szenografin Sophie Uchman gestaltete eine Vielzahl unterschiedlicher Bühnensituationen im ganzen Haus, die Übergänge zwischen privaten und öffentlichen Räumen schufen.
























Die Initiatoren von Heimlicht verfolgten neben der künstlerischen Vision einen partizipativen soziokulturellen Ansatz, indem sie Bewohner der Dresdner Johannstadt einluden, sich mit der Lebenssituation in ihrem Stadtteil im Rahmen von Workshops künstlerisch auseinanderzusetzen. Ihr Ziel war es, die Bevölkerung des Stadtteils in ihrer Vielfältigkeit einzubeziehen. Bei dem Projekt kamen Menschen zwischen 8 und 80 Jahren mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten zusammen. Sie brachten Ihre Ideen ein, steuerten Lieder und Geschichten bei, probten mit hohem Engagement und nahmen Kontakt zu den Bewohnern des Hochhauses auf, von denen einige ihre Wohnungen für die Aufführungen öffneten und Einblicke in ihr privates Reich gewährten. So brachte das Projekt nicht nur unterschiedlichste Menschen aus dem Stadtteil zusammen, sondern ließ auch die Bewohner des Hochhauses ein wenig enger zusammenrücken.


Die Wahl eines geeignetes Aufführungsorts fiel bereits 2010 auf den Wohnkomplex Johannstadt-Nord, der das Vorurteil zu bestätigen scheint, das den Plattenbauten aus DDR-Zeiten immer noch anhaftet: Fenster reiht sich an Fenster, Briefkasten an Briefkasten, Wohnung an Wohnung. Die 3800 Wohneinheiten gleichen einander wie ein Ei dem anderen. Wer den Blick hinter die Fassade wagt, stößt jedoch auf eine Vielfalt persönlicher Lebensentwürfe und individuell und liebevoll gestalteter Räume, die Ausdruck der soziokulturellen Vielfalt ist, welche die Johannstadt auszeichnet und einmalig in Dresden ist. Auf diesen spannenden Kontrast zwischen Anonymität und Persönlichkeit warf Heimlicht ein bunt schillerndes Schlaglicht.



Aufführung 1: Freitag, 16.11. 2012 18.00-22.00 Uhr


Aufführung 2: Samstag, 17.11. 2012 16.00-20.00 Uhr


Ort: Hochhaus in der Pfeifferhannsstraße 19, 01307 Dresden


Veranstalter JohannStadthalle e.V. www.johannstadthalle.de

in Kooperation mit Klangkulisse www.klangkulisse.eu


Kontakt per mail an post@heimlicht.info oder über facebook.